2016 - 2012

 

 

2011 - 2009

 

 

2008 - 2005

 

 

2004 - 2002

 

 

Zu den Bildern von Judith Ganz

 

 

Im Zentrum  der Arbeiten von Judith Ganz steht die Frage, in wieweit das „Konzept Malerei“ als Träger von Utopien und als Medium zur Untersuchung von wissenschaftlich und philosophisch geprägten Fragen im 21. Jahrhundert standhalten kann. So wie die Gentechnologie, Mikrobiologie und Weltraumforschung neuartige und unbekannte Bilder hervorbringen, untersucht die Künstlerin mit Mitteln des „Konzepts Malerei“ die Faszination, den Zwiespalt und auch das Unbehagen, das sich mit diesen sensiblen und kaum fassbaren Bereichen verbindet.

 

Ein Fundus aus wissenschaftlichen Aufsätzen und Filmen, mit Inhalten aus der Mikrobiologie, computergenerierten Modellen des Universums und Anleihen aus der Kunstgeschichte dient der Entwicklung der großformatigen Bilderserien von Judith Ganz. Mit erfrischender Vitalität und malerischem Können realisiert Ganz diese auch aus eigenen virtuellen Bildern, die parallel zu den neuen Entdeckungen in der Biologie und

der Forschung über das Universum entstehen.

 

So erzeugt Judith Ganz irritierende Landschaften, die dialektische Widersprüche aufwerfen und den Betrachter in einen unabschließbaren Prozess des Fragens und Erkundens verwickeln. Der vermeintliche Bildraum entpuppt sich als Pigmentoberfläche, figurative Elemente kreuzen sich mit abstrakten, zufällige Form- und Farbkonstellationen werden durch gezielte Eingriffe gesteuert; die Erzählung lässt sich nicht auflösen.

 

Die vermeintliche Unfehlbarkeit der Wissenschaft und die sich immer wieder überlebenden gesellschaftlichen Utopien, die zu kollektiven Selbstüberschätzungen führen, bezieht die Künstlerin ebenfalls unterschwellig in ihre Arbeit ein.

 

Die europäische Malereigeschichte ist immer auch eine Geschichte des Sehens gewesen: vom Fernbild eines orbis pictus zum Nahbild einer

sich auf der Netzhaut des menschlichen Auges reflektierenden Landschaft und schließlich zum quasi Innenbild organischer Mikrostrukturen.

Dem menschlichen Auge nicht sichtbare Strukturen und Farben werden sichtbar gemacht. Durch die malerische Umsetzung erscheint die

innere Welt als äußere Welt. So wird der künstlerische Prozess selbst zu einer Metapher für Transparenz, Durchlässigkeit und die Ambiguität organischen Lebens.

 

Claudia Funke

 

 

All works © Judith Ganz 2015.

judithganz@judithganz.de